Historie

Einführung in die Vereinsgeschichte: „Rot“ gegen „Schwarz“

Am 23. Juni 1901 wurde in Obersulmetingen ein Turnverein gegründet. Aufzeichnungen hierüber finden sich im Protokollbuch des Gesangvereins „Frohsinn“, ebenso wie das Ergebnis der ersten Wahlen. Bald löste sich der Verein jedoch im nichts auf.

Fünf oder sechs Jahre später wurde der Gesangverein „Frohsinn“ Obersulmetingen gegründet. Das Protokoll der ersten Versammlung ist datiert auf 21. Oktober 1907.

Da beide Ereignisse in ein- und demselben Protokollbuch festgehalten sind, stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang dieser beiden Vereine. Warum haben die Turner nicht weitergemacht? Mangels Talent oder, was wahrscheinlicher ist, aufgrund der örtlichen Probleme, die als „Rot“ und „Schwarz“ der Älteren unter uns noch erzählt wurden. War der Sport gar unzüchtig oder war der Verein auch sonst nicht im Sinne der Geistlichkeit? Wurde der Turnverein umgewidmet in einen Gesangverein – Muse statt Sport?

Für diese These spricht, dass das Gründungsprotokoll des Gesangvereins sowie die späteren Protokolle und Kassenberichte im gleichen Buch niedergelegt wurden. Der Gesangverein unter der Leitung von Lehrer Roth war dem damaligen Ortspfarrer auf jeden Fall ein Dorn im Auge. Doch dieser Verein hat sich durchgesetzt, der Turnverein eben nicht.

Später, in Sachen Fußball, waren die Initiativen erfolgreicher! Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.

Die Anfänge: Kleidungsstücke aus Leinen und ein Sack Weizen

Alu-Tore, Spielfelder wie Wohnzimmerteppiche und schnurgerade Linien mit eigens hergestelltem Sportplatzkalk – zur Gründungszeit der Sulmetinger Fußballer in den 20er Jahren undenkbar. Ein paar Kleidungsstücke dienten auf fremder Leute Wiesen als Spielfeldbegrenzungen, das Tor wurde durch Stecken gekennzeichnet.

Von regelmäßigem bargeldlosen Einzug des Vereinsbeitrags hatte man damals noch keine Ahnung. „Vereinsbeitrag war dann zu zahlen“, so die Erzählung eines Zeitgenossen, „wenn ein neuer Ball fällig war.“ Hin und wieder habe der Obolus aus einem Sack Weizen bestanden, den man ohne Wissen des Vaters vom heimischen „Korahaus“ genommen hatte.

Begonnen wurde mit dem Fußballspielen, sowohl in Ober als auch in Untersulmetingen, nach dem ersten Weltkrieg. In Untersulmetingen hatten die Mitglieder des Arbeitervereins das Spiel wohl im Krieg gesehen und wollten es nachahmen. Die Verhältnisse freilich waren nicht ideal: Für einen Ball gab es kaum Geld, Sportplätze waren (noch) nicht vorhanden. Drum konnte nur im Frühjahr und im Herbst nach der Öhmdernte gespielt werden. Geeignete Sportkleidung oder gar Kickschuhe kannte man damals noch nicht.

Die „Heilbronner“, Jugendliche, die bei Bauern in Untersulmetingen untergebracht waren, brachten Anfang der 20er Jahre etwas Ordnung in den Spielbetrieb. Nun begannen auch die Auswärtsspiele: Mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Lieferwagen des Mehlhändlers Baur nahm man die Reisen auf sich. Schon 1923 allerdings flachte der Enthusiasmus der Untersulmetinger ab; besonders die Westerflacher führten den Sport weiter, bis schließlich die äußere Kiesgrube (neben dem heutigen Sportplatz) zur Verfügung stand.

Bedeutend zielstrebiger verlief die Fußballentwicklung in Obersulmetingen. Schon 1921 trug man Punktspiele mit gutem Erfolg auf dem damaligen „Materialplatz“, der drei Kilometer außerhalb bei der Bahnlinie (beim heutigen Noden-See in Richtung Westbahnhof) aus. Die Gebrüder Klob, heute nicht mehr im Ort, bildeten mit sechs bis sieben Mann das Rückgrat der Mannschaft.

Der Vereinsname: von der DJK zum SVS

1926 trat die Obersulmetinger Elf der DJK (Deutsche Jugend Kraft), einer katholischen Jugendbewegung, bei. Obwohl auch die Untersulmetinger Mannschaft in der DJK aufgenommen wurde, gab es bei beiden Mannschaften 1928 Ermüdungserscheinungen. Die „Männer der ersten Stunde“ heirateten und hörten auf zu spielen, in Obersulmetingen lähmten der Weggang der Gebrüder Klob den Spielbetrieb. So ergab sich, dass aus zwei Mannschaften bald eine wurde. Allseits bekannte Reibereien zwischen den Jugendlichen beider Ortschaften wurden im Sinne des gemeinsamen Zieles hinten angestellt – was bis heute funktioniert.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die DJK aufgelöst. Unternehmer Georg Lindenmaier förderte den Fußballsport, und schon 1934 wurde der damals neue Platz, wo sich heute die Mehrzweckhalle befindet, eingeweiht. Der Krieg sollte aber bald die Aktivitäten der Fußballer beenden.

Im April 1947 wurde der Verein als „Sportverein SV Unter-/Obersulmetingen“ wieder ins Leben gerufen. Diesen Namen trug er bis zum Jahr 1982, als er vereinfachend in „SV Sulmetingen“ umgetauft wurde.

Die Turner im Verein

Sie existiert zwar erst seit 1965, hat sich aber in dieser Zeit zur Mitgliederstärksten Gruppierung beim SVS gemausert: Die Turnabteilung. Anlass ihrer Gründung war der Neubau der Schule mit Turnhalle in Obersulmetingen im Jahre 1962. 1963 wurde in einer Sitzung auf Initiative von Vorstand Alfred Jerg sen. durch Bruno Hensinger, Alfons Leicht und Josef Mästle die Turngemeinschaft gegründet, zwei Jahre später wurden die Turner per Generalversammlungsbeschluss in den SV Unter-/Obersulmetingen aufgenommen. Bald bildeten sich eine Turngemeinschaft mit verschiedenen Gruppen, die bis heute ständig gewachsen sind und ein großes Angebot abdecken.

(Aus "75 Jahre SV Sulmetingen", Festzeitschrift zum 75Jährigen des SV Sulmetingen)